Wer einmal lügt … Das Sommerinterview mit der Kanzlerin

„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht.“ Das waren Zeiten, als der Verlust der Glaubwürdigkeit noch als eine Bedrohung empfunden wurde und dieses Sprichwort seine Berechtigung hatte. Nachdem permanentes Lügen zu einer selbstverständlichen Kommunikationsform in Politik und Medien geworden ist, hat die Glaubwürdigkeit ihren Wert eingebüßt. Ein Wegwerfartikel, wie es uns auch das ZDF-Sommerinterview mit der Kanzlerin wieder vor Augen führt.

Nach den Worten der Kanzlerin kommt ein Drittel der Asylbewerber vom Balkan. Tatsächlich lag nach amtlichen Statistiken in 2014 die Zahl der Asylanträge aus den Balkanländern über der Zahl der Asylanträge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. In den ersten drei Monaten dieses Jahres betrug das Verhältnis der registrierten Asylbewerber aus den Westbalkanstaaten zu den Asylbewerbern aus Syrien, Afghanistan und Irak zwei Drittel zu einem Drittel, in Zahlen 44000 zu 22000. Dies macht im Gegensatz zur Aussage der Kanzlerin deutlich, dass die Zuwanderungsproblematik noch nicht einmal halb so groß wäre, wenn die Politik endlich ihren Job machen würde. Noch dazu nennt die Kanzlerin alle Asylbewerber Flüchtlinge, obwohl sie weiß, dass es sich bei mehr als der Hälfte um illegale Einwanderer handelt, die lediglich gelernt haben, dass man die deutschen Leistungen am besten mit einem Asylantrag abgreifen kann. Egal. Nachdem in der Zuwanderungsproblematik vertuscht, getäuscht und gelogen wird, dass sich die Balken biegen, spielt eine Verdrehung der Tatsachen auch keine Rolle mehr.

Nicht anders beim Griechenlandthema. Jeder halbwegs normale Mensch weiß, dass Euro und Europa zwei Paar Schuhe sind. Dennoch kann uns die Kanzlerin vorlügen, Euro und Europa seien quasi das Gleiche, sozusagen zwei Seiten einer Medaille. Und deshalb müsse der Euro alternativlos gerettet werden, koste es, was es wolle. Welche wahren Gründe auch immer hinter dieser „Rettungspolitik“ stecken, sie ändern nichts an der Tatsache, dass von den 28 EU-Ländern nur 19 den Euro eingeführt haben. Und sie ändern nichts an der Tatsache, dass es die europäische Einigung schon lange vor der Gemeinschaftswährung gegeben hat und damals besser funktionierte als heute. Wie gesagt, zwei Paar Schuhe, die getrennt voneinander zu betrachten sind.

Na und? Egal. Wir sollen uns wohlfühlen in diesen Lügengebäuden wie einst Katharina die Große in ihren Potemkin’schen Dörfern. Wenn nur der Spruch nicht wäre: „Lügen haben kurze Beine.“ Will sagen, das kann nicht gut gehen!

Text: Germut Bielitz – Grafik: Helmut Filser