Der gesenkte Blick

Als die Schulleitung eines Gymnasiums im Niederbayerischen Pocking im Sommer 2015, den Eltern der Schüler in einem Schreiben nahe legt, dass die Mädchen keine Miniröcke mehr tragen sollen, da die in der Turnhalle einquartierten ‚Flüchtlinge’ dies missverstehen könnten, gab es einen kurzfristigen Aufschrei in den Medien, im besonderen jedoch in den sozialen Medien.

Doch es waren nicht nur die Miniröcke die bei den, in der Dreifachturnhalle untergebrachten 200 Asylanten zu Missverständnissen führen könnten.

Zitat aus dem Elternbrief: „Die syrischen Bürger sind mehrheitlich Muslime und sprechen arabisch. Die Asylbewerber sind von ihrer eigenen Kultur geprägt. Da unsere Schule in direkter Nachbarschaft ist, sollte eine zurückhaltende Alltagskleidung angemessen sein, um Diskrepanzen zu vermeiden. Durchsichtige Tops oder Blusen, kurze Shorts oder Miniröcke könnten zu Missverständnissen führen.“

Auch ein „Anglotzen“ und „Begaffen“ sei nicht angebracht. Natürlich ist ein „Anglotzen und Begaffen“ nicht angebracht. Doch wo ist die Grenze zwischen „Anglotzen und Begaffen“ und ehrliches Interesse an anderen Kulturen?

Interesse und Neugierde, Neues und Unbekanntes zu erforschen liegt in der Natur der Jugend. Und das ist auch gut so. Schließlich ist ein Merkmal eines mündigen Bürgers die freie Willensbildung und genau das sollen unsere Kinder in der Schule doch lernen!

Szenenwechsel. Als eine Maklerin in Rheinland-Pfalz einer muslimischen Familie ihre Hilfe anbot und eine Vierzimmerwohnung vermitteln wollte, wurde dies abgelehnt, Zitat der Maklerin: „Dann teilte mir derjenige, der ein bisschen Deutsch konnte, mit, dass kein Interesse an einer Besichtigung bestehe, weil ich eine Frau und blond sei und weil ich den Männern in die Augen geschaut hätte. Das gehöre sich nicht. Meine Firma solle einen Mann vorbeischicken.“

Szenenwechsel. Als im September ein Imam Frau Klöchner wissen ließ, das er ihr nicht die Hand reichen werden wenn sie die THW-Unterkunft für 200 Flüchtlinge in Idar-Oberstein besucht, stellte Frau Klöchner richtig fest: „Wir sind ein liberales und freies Land. Wenn wir die Grundfesten unserer Liberalität aufgeben, wachen wir woanders auf“

Szenenwechsel. Sylvesternacht 2015/16 Köln, Hamburg, Stuttgart, Bielefeld, Frankfurt. Frauen werden begrapscht, ausgeraubt und vergewaltigt.

Schon jemand Aufgewacht?!

War diese völlig neue Dimension organisierte Kriminalität wirklich nicht vorhersehbar?

Marianne Weich arbeitet seit 28 Jahren für die Opferschutzorganisation Weißer Ring in Köln und war bis zu ihrer Pensionierung bei der Kölner Kriminalpolizei im Opferschutz tätig.

Sie sagt:

Dass Menschen in und um den Kölner Hauptbahnhof „angetanzt und ausgeraubt“ werden, ist für Weich jedoch Alltag. „Es gibt quasi seit Jahren manchmal bis zu 30 Anzeigen am Tag wegen Diebstahls rund um den Kölner Hauptbahnhof. Dieses Phänomen des Antanzens ist uns durchaus bekannt.“ Beim „Antanzen“ geht der Täter mit seinem Opfer auf Tuchfühlung, indem er ihn oder sie erst scheinbar spielerisch umarmt und dann oft an intimen Stellen berührt.

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/uebergriffe-auf-frauen-in-koeln-opferschuetzerin-ist-sich-sicher-taeter-sind-bekannt/12792342.html

Nein, diese völlig neue Dimension organisierte Kriminalität war vorhersehbar, sie wollte nur nicht von den Verantwortlichen in der Politik gesehen werden und sie nicht in ihr Gesamtkonzept passen.

Als eine Frau mitten in der Gesellschaft meide ich schon länger öffentliche Verkehrsmittel und öffentliche Plätze und Veranstaltung zu bestimmten Uhrzeiten, da ich mich alleine als Frau nicht mehr sicher fühle. Dabei bin ich stolz darauf in einem liberalen und weltoffenem Land wie Deutschland zu leben. Einem Deutschland das sich des kulturellen Austausches nicht schämen zu braucht.

Leider ist es inzwischen soweit gekommen, dass eine Frau einen Selbstverteidigungs-Kurs, Pfefferspray und eine Armlänge braucht um sich, egal zu welcher Uhrzeit in der Öffentlichkeit frei bewegen zu können, um Gefahren abzuwehren, um nicht in eine Lage zu kommen wie die Frauen in Köln, Hamburg, Stuttgart, etc.

Der Staat hat schrittweise sein Gewaltmonopol aufgegeben.

Frau Reeker, es braucht keinen Verhaltenskodex für Frauen in Köln oder Deutschland – es braucht einen Verhaltenskodex für unsere Politiker, unsere Medienvertreter und vor allem für die in Deutschland befindlichen Ausländer.

Das Beispiel Köln hat gezeigt, dass der Staat nicht mehr in der Lage ist die Frauen und den Bürger vor Übergriffen „organisierter Kriminalität“ zu schützen. Wie soll eine Frau unterscheiden wenn ein Mann auf sie zugeht ob er lediglich die Uhrzeit wissen möchte oder ihre Handtasche rauben will oder sie vergewaltigen will, ungeachtet der Nationalität des Mannes?

Eine begangene Straftat, einer Vergewaltigung hinterlässt Narben. Narben an Leib und Seele und in der Gesellschaft. Sie ist ein Verstoß gegen das Grundgesetz.

Es kann nicht, die empfohlene ‚angemessene Kleidung’, das unterdrücken des Interesses an einer anderen Kultur, einer „Armlänge Abstand“, verstärkte Videoüberwachung oder der gesenkte Blick einer Frau die Lösung der Probleme sein, die in der Zukunft noch auf uns zukommen werden.

Wo also fangen wir an, an der die Wiederherstellung unseres Rechtsstaates zu arbeiten in dem sich Frauen unverschleiert mit erhobenem Haupt und aufrechtem Blick sicher fühlen können?

Edeltraud Schwarz
7. Januar 2016